Das Erbe der Weltharmonik und warum wir diesen Namen wählten, für eine zeitlose, einzigartige Architektur

Die Geschichte von Kepler’s Aetherium beginnt nicht auf dem Reißbrett, sondern in der tiefen Überzeugung, dass Architektur eine resonante Entsprechung kosmischer Ordnung sein muss. Unser Weg führt von der visionären Astronomie des 17. Jahrhunderts direkt in das „Hacking“ industrieller Standards der Gegenwart. Das Bauwerk selbst wurde ohne den Einsatz einer K.I. oder Architektur-Programmen entworfen, sondern mit im Verhältnis gezeichneten übereinander gelegten Schnittzeichnungen plus 40 Jahre Erfahrung im Open-Air Bühnenbau und Gerüstskulpturen.

DIE EVOLUTION DER HARMONIE

Von der Weltharmonik zur zentripetalen Moderne

Namensgeber und philosophisches Fundament ist Johannes Kepler, der in seinem Werk Harmonices Mundi (1619) die universellen Zusammenhänge zwischen Geometrie, Musik und Astronomie erforschte. Sein Streben nach einer „Weltharmonik“ durch die Proportionen geometrischer Körper ist der geistige Ursprung unseres Tragwerks. Wir nutzen seine Symmetrie-Lehre nicht als Zitat, sondern als lebendiges Konstruktionsprinzip.

Aetherium – Bedeutung und Aufgabe

Durch das Michelson-Morley Experiment (1887), das den pysikalischen Lichtäther widerlegte, sind wir in einer neuen Zeit welche das Wort Äther anders versteht, da die historische Ätherlehre klar wissenschaftlich widerlegt ist. Das Konzept des Äthers in der Physik als materieller Stoff, wurde auch durch die Relativitätstheorie abgelöst, hat jedoch als metaphorisches Konzept für Felder (elektromagnetische Felder) in der Kommunikationstechnik (Ethernet) überlebt. Anstatt den Äther als mystische Energie zu beschreiben, können wir ihn als den unsichtbaren Raum der Vernetzung definieren. Somit entsteht eine Brücke in die Moderne.

Diese Brücke beginnt jedoch auch mit der Dekonstruktion des Anfangs. Dem Dogma von 1887, dem „Michelson-Morley-Experiment“. Es hat nicht die Nichtexistenz des Äthers bewiesen, sondern lediglich das mechanistische Zerrbild einer Physik offengelegt, die versuchte, Lebenskräfte mit toten Instrumenten auf einer Laborplatte zu sezieren. Sie übersah die lebendige Hemisphäre: Das fluide Zusammenwirken von Licht, Luft und Atmosphäre, das sich mit dem Planeten verbindet. Nach heutigem wissenschaftlichen Standard, ist diese Experiment kein Beweis mehr.

Auch wenn andererseits kein Anlass besteht, eine veraltete alchemistisch und schwer zu verstehende Ätherlehre, als Grundlage moderner Wissenschaft zu reanimieren, so sehen wir auch die Grenzen der heutigen Wissenschaft, da sie im Kern nur das Tote, mit Materie durchwobene erklären kann. Zu Ende gekommene Bildekraft, wie eine ausgehärtete Muschel lässt sich untersuchen, das Lebendige was darin war, jedoch nicht wirklich verstehen. Wir müssen unterscheiden zwischen der toten Materie die unsere Realität angenehm ausfüllt, und der Wirklichkeit und den imponderablen Kräften dahinter.

Ein neuer Ansatz um Internetsucht und andere Süchte zu verstehen. Das fluide Zusammenwirken von Licht, Luft und Atmosphäre, das sich mit dem Planeten verbindet. Im Aetherium machen wir dieses Zusammenwirken durch den dreifachen Gaze-Trichter und den fallenden Nebel wieder unmittelbar erfahrbar. Der Visual Jockey nutzt die Realität (tote Technik, den Stahl, die Gaze die Projektoren und Laptops) um die Wirklichkeit dahinter ( mit seinem Wirk-ich oder Lebensäther) zu verbinden. Mit der Evidenz des nachvollziehbaren Phänomens entsteht ein nachhaltiger innerer Disput: über die Sinnlosigkeit das eigene Wirk-ich im Internet zu verpuffen – und anderer durch die Architektur unterlegte philosophische Gedanken.

Johannes Kepler suchte zeit seines Lebens nach der geometrischen Matrix, die das Universum im Innersten zusammenhält. In seinem Hauptwerk Harmonices Mundi (1619) postulierte er, dass die Planetenbewegungen keinem Zufall folgen, sondern einer universellen Harmonielehre entsprechen – einer „Weltharmonik“. Wissenschaftlicher Stand: Während seine Vision einer „Weltharmonie“ heute eher als historisch-ästhetisch gilt, sind seine Gesetze der Planetenbewegung physikalisches Fundament.

Geometrie als Ur-Sprache: Kepler war überzeugt, dass Gott die Welt nach den Regeln der Geometrie erschuf. Sein visionäres Modell der ineinander geschachtelten Platonischen Körper war der erste Versuch, astronomische Abstände durch geometrische Proportionen zu erklären. Kepler´s Aetherium greift diesen Gedanken auf und übersetzt ihn in das 21. Jahrhundert: Die 7 fache Stufung der 8 Seiten, ist eine der möglichen, gebauten Antworten auf Keplers Suche nach der vollkommenen Form.

Von der Wahrnehmung zum Wirk-ich in der Wirklichkeit.

Kepler´s Aetherium wirkt

Die Dynamik des Raumes: Innen vs. Außen

Die Tatsache, dass die Installation von innen unten (wie ein Blick in ein kosmisches Observatorium) und von außen ringsrum (mit der riesigen 15-Meter-Corona und der separat angestrahlten goldenen Spitze) funktioniert, erzeugt zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse:

  • Innen ist man das Zentrum des Universums, umschlossen von den drei Gazeschichten und dem Sound.
  • Außen wirkt das Ganze wie ein pulsierendes, lebendiges Monument, das die Umgebung energetisch auflädt. Dabei entstehen durch die Projektionen auf die gestaffelt, versetzte Gaze auch ein Hin und Fortfliesendes. Anstelle eines flachen Bildschirms, durchweben die Bilder den Raum, drücken oder raumen, ohne 3 D Brille, nicht isoliert.